Ein persönlicher Rückblick von Lorenz Groh
Die Reise von Kultland begann 2013 auf einem umgebauten Paella-Kocher im landwirtschaftlichen Hof in Ockstadt. Während ich eigentlich mitten in den Abiturvorbereitungen stecken sollte, widmete ich mich meiner wahren Leidenschaft: dem Bierbrauen. Ich muss ehrlich sein: Die ersten Versuche waren alles andere als genießbar. Doch sie weckten in mir eine tiefe Demut vor dem Handwerk. Bier ist für mich das komplexeste Getränk der Welt. Aus nur vier Rohstoffen, die uns die Natur schenkt, lässt sich durch handwerkliche Präzision eine unendliche Vielfalt an Geschmäckern kreieren.
Der Weg zum perfekten Produkt
In den ersten Jahren gab es für mich nur ein Ziel: das perfekte Produkt. Gemeinsam mit meinem Bruder und seinem Schwiegervater haben wir unermüdlich getüftelt. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als wir unser erstes India Pale Ale (IPA) verkosteten. Der Duft nach der Gärung, der erste Schluck... es war einfach unglaublich. Wir wussten, dass wir etwas Besonderes geschaffen hatten.
Im Jahr 2016 fassten wir den Entschluss, den nächsten Schritt zu gehen und offiziell eine Brauerei zu gründen. Wir waren stolz darauf, den Menschen in unserer Region echtes, handwerklich gebrautes Bier anbieten zu können. Damals experimentierten wir mit bis zu sechs verschiedenen Sorten. Besonders faszinierten uns die Aromahopfen wie der „Citra“. Durch eine späte Hopfengabe und die Kalthopfung im Gärtank entfaltet dieser Hopfen ein Profil, das an Zitrusfrüchte und Holunder erinnert. Dieses Bier war eine Offenbarung für den Gaumen.
Unser Aushängeschild: Das Kult Hell
Unser erstes kommerzielles Bier war das „Kult Hell“, unser Hausbier. Wir wollten eine Brücke schlagen: Die Süffigkeit eines bayerischen Hellen kombiniert mit der Charakterstärke eines norddeutschen Pils. Nicht so herb wie im Norden, aber weniger malzlastig als im Süden. Für unsere Region ist es schlichtweg das perfekte Bier. Heute gilt der Fokus primär diesem Bier, da es gezeigt hat, dass es den meisten Menschen hervorragend schmeckt.
Schicksalsschläge und Zusammenhalt
Unsere Geschichte ist jedoch nicht ohne Narben. 2019 verloren wir unseren Geschäftspartner und Freund Reiner Weidmann. Reiner war ein leidenschaftlicher Kenner der fränkischen Bierkultur. Die gemeinsamen Bierexpeditionen nach Franken bleiben unvergessen und er fehlt uns bis heute sehr.
Nur ein Jahr später stand die Welt still. Die Pandemie traf uns als kleine Brauerei hart. Gastronomien schlossen und Feste fielen aus. Um zu überleben, mussten wir uns binnen kürzester Zeit anpassen. Wir begannen, unser Bier in 0,75l-Flaschen abzufüllen, um neue Wege zu den Kunden zu finden. Dank einer soliden Finanzplanung und einer geringen Fremdkapitalquote konnten wir diese Krise überstehen, während viele befreundete Brauereien leider aufgeben mussten.
2025: Ein neues Kapitel für Kultland
Im letzten Jahr haben wir uns neu erfunden. Mit einem frischen Rebranding und neuen „Kult-Partnern“ an unserer Seite blicken wir voller Energie nach vorne. Unser Team ist gewachsen: Tobias Prengel verstärkt uns operativ, eine neue Social Media Managerin hilft uns, unsere Geschichte zu erzählen, und unser Eventteam ist größer denn je.
Wir weiten unsere Präsenz im Kerngebiet von Gießen bis Frankfurt und von Mainz bis Fulda massiv aus. Die Zahl der Bars und Restaurants, die Kultland ausschenken, steigt wöchentlich. Ein besonderes Highlight steht kurz bevor: Wir arbeiten intensiv an einer eigenen Bar in Friedberg!
Zudem wächst die Synergie mit „Weidmann & Groh“. Neben unseren Bieren werden wir auf Events auch deren erstklassige Apfelweine und hochqualitativen Spirituosen anbieten.
Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, und brennen darauf, was die Zukunft bringt. Danke, dass ihr Teil dieser Reise seid.
Auf die Zukunft und auf das nächste kühle Kult!
Euer Lorenz Groh
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